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  • Carrie

Familienreha

Nach der ganzen Herzgeschichte, konnten wir eine Familienreha beantragen und die Hilfe der Ärzte war klasse. Sie schrieben uns entsprechende Begleitschreiben, warum eine Familienreha sinnvoll ist und nicht nur eine Mutter-Kind-Kur. Der Papa wird hier in meinen Augen oft vergessen, ist aber doch Teil des Ganzen, nicht nur die Mutter. Und so reichten wir alle Unterlagen ein und alles ging ziemlich easy und wir konnten schon bald Kontakt zu unserer Wunschrehaklinik aufnehmen. Die Rehaklinik in Tannheim sollte es sein (https://www.tannheim.de/).


Was freuten wir uns auf die Zeit. Auf die wir uns um fast nichts kümmern mussten. Ein paar Vorbereitungen mussten klar noch getroffen werden, u. a. die Versorgung unserer Stubentiger zuhause, Medikamente auf Vorrat holen, Einweisungsschein, etc.


Sämtliche Arztberichte und Unterlagen scannte ich ein und legte mir einen Ordner an, so musste ich nicht alles mitnehmen. Die Wochen vergingen und die Reha rückte näher. Wie jeder kleine Kontrollfreak schrieb ich Listen über Listen, hakte ab, was erledigt war und schrieb dazu was unbedingt mit und erledigt werden musste. Wir holten die Koffer und dann ging das packen los. Kleidungsstück rein, abstreichen auf der Liste. Umpacken, auspacken, neu packen - ihr kennt das vielleicht. Zack und so schnell waren 3 Koffer voll. Es war ja Sommer, aber safety first - dicke Socken, ich wollte ja vorbereitet sein.


Wir nahmen natürlich viel zu viel mit und das Auto war randvoll und so machten wir uns auf mit kribbeln im Bauch und Vorfreude im Gesicht. Wir fuhren nach dem Mittagessen los, sodass unsere Maus ihren Mittagsschlaf im Auto machen konnte und wir eine ruhige und entspannte Fahrt hatten. Quer durch den Schwarzwald, etwas abgelegen von Tannheim, aber doch zu Fuß erreichbar - es war perfekt.


Wir checkten ein und bekamen den Schlüssel sowie weitere Infos an die Hand. Nach dem auspacken erkundeten wir erstmal das komplette Arial. Wahnsinn - diese frische Luft, die Natur, die Umgebung. Es gab einen Streichelzoo, man konnte reiten, einen tollen Garten, Liegestühle, Spielplätze, eine Burg, Wanderwege, ein Fitnessstudio und noch viel mehr. Der perfekte Ort um Kraft zu tanken und die Familienzeit zu genießen. Es war unsere Oase in der Sahara. Klar, du wirst nie vergessen, was war, aber diese vierwöchige Auszeit war so unglaublich notwendig. Der Weg, den wir gehen werden, wird lang sein, viel Kraft und Energie kosten, gemeinsame Pausen und Akku laden, muss daher drin sein.


Die Geschäftsführer stellten sich vor, wir konnten unsere Therapiepläne zusammenstellen und in der Zeit, in der die Kleine keine Therapien hatte, konnte sie dort in die Kita gehen und einfach nur Kind sein. Wir konnten zur Massage, zum Sport, ein Buch lesen, am Kamin sitzen (ok, es war Sommer und er war nicht an, im Winter ist es aber bestimmt der Hammer) oder auch einfach nichts tun. Jeder suchte sich das raus, was ihm gut tat.


Das Essen nahmen alle Patienten im Speisesaal zusammen ein. Jeder konnte vom Essensplan individuell über einen Computer innerhalb des Plans selbst bestimmen, was er essen möchte. Wir lernten tolle Familien mit anderen Schicksalsschlägen kennen und freundeten uns an. Die Wochenenden waren frei, so konnte man sich die Umgebung anschauen oder Besuch bekommen, Ausflüge machen oder die Zeit in der wahnsinns Umgebung verbringen.


Von unserem Zimmer zur Empfangshalle ging ein langer gläserner Flur, den wir jeden Tag zig mal gelaufen sind. Unsere Maus lief seit sie ihre Orthesen bekommen hatte (hier kommt noch ein extra Beitrag), öfter mal an der Hand oder gar ein-zwei Schritte allein. Durch die Intensivtherapien hier, half es ihr so unglaublich, dass sie auf einmal den kompletten Flur alleine lief, ohne uns zu halten. Wir sind fast geplatzt vor Stolz. Ich kann es euch nur ans Herz legen eine Familienreha dort zumachen, wenn es euch zusteht. Es ist alles so gut organisiert, alle sind immer total lieb und geben ihr Bestes. daher Werbung aus Überzeugung ;-).


Ja klar, es gibt auch Situationen, die man sich anders gewünscht hätte, wie zb wenn einer im Wäscheraum die Waschmaschine blockiert, aber was solls, irgendwas ist immer und wir Leben dort alle für eine gewisse Zeit zusammen, da sieht ist das halt mal so und man schaut halt einfach mal über was weg.


Gegen Ende der dritten Woche packte mich dann doch das Heimweh und ich war froh, dass wir bald wieder nach Hause fahren durften. Die Zeit war unglaublich schön, tat uns allen gut und ich hoffe, dass auch andere Familien dort ihren Akku so aufladen können wie wir. Ob wir wieder hingehen würden? Definitiv!

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